Aus chinesischer Sicht wird Weichteilrheumatismus unter
dem Sammelbegriff „Bi-Syndrom“ zusammengefasst.
„Bi“ bedeutet Verstopfung oder Verschluss.
Das bedeutet, dass die Meridiane, die den ganzen Körper
durchziehen, an bestimmten Stellen nicht durchgängig
sind. Das so genannte Qi (die Energie) muss harmonisch durch
die Meridiane fließen können, damit der Mensch
schmerzfrei ist. Wenn eine der „Straßen“
verstopft ist, stagniert an diesen Stellen das Qi. Das führt
zu Schmerzen. Die Schmerzen können unterschiedlich
empfunden werden. An manchen Stellen plagt ein ziehender
oder ein bohrender, an anderen Stellen ein stechender oder
ein dumpfer Schmerz. Die Schmerzcharakteristik gibt dem
TCM-Arzt/der TCM-Ärztin Auskunft über die Körperstörung
und wird daher unterschiedlich behandelt.
Verschiedene äußere schädliche Faktoren
können in den Körper eindringen. So kann zum Beispiel
der Faktor Wind gemeinsam mit Kälte in den Bereich
des Rückens eindringen und Kreuzschmerzen verursachen.
Stellen Sie sich als einfaches Beispiel den Faktor Wind
vor, wenn Sie beim Autofahren das Fenster offen lassen und
in der Zugluft sitzen. Sie bekommen davon leicht Nackenverspannungen
oder sogar ein steifes Genick.
Auch chronische Belastungen durch Wohnen oder Arbeiten
in feuchten, kalten oder zugigen Räumen können
auslösend wirken. Räume müssen trocken sein.
Alte Häuser sind manchmal an den Wänden feucht,
teilweise ist dort auch leichter Schimmel. Das ist natürlich
für den Körper (und da besonders für die
Gelenke und die Muskulatur) sehr schädlich. Arbeiten
in feuchter oder kalter Umgebung wie im Bergbau, Keller,
Kühlhaus, in der Wurstabteilung, … fördern
die Aufnahme von Kälte- und Nässefaktoren. Falsches
Essen (unregelmäßige Essenszeiten, kalte, rohe
Nahrungsmittel, Fast Food) trägt seinen Teil zur vermehrten
Empfindlichkeit gegenüber einem Faktor bei.
Begleitsymptome wie Schlafstörungen, Müdigkeit
und Abgeschlagenheit während des Tages, verminderte
Leistungsfähigkeit, Kopfschmerzen oder Kreislaufprobleme
sind Zeichen des Ungleichgewichtes zwischen Yin und Yang.
Mit Akupunktur
kann durch eine Kombination von lokalen Punkten, schmerzstillenden
Punkten, Faktor-entfernenden Punkten und Konstitution-stärkenden
Punkten der Qi-Fluss wieder ins Gleichgewicht gebracht werden.
Zusätzlich werden die über die schmerzenden Stellen
laufenden Meridiane akupunktiert. Haben Sie zum Beispiel
Schmerzen an der Oberschenkelvorderseite, wird der dort
befindliche Milz- und Magenmeridian akupunktiert. Gleichzeitig
werden Punkte entsprechend der Schmerzqualität gewählt.
Druckartige Beschwerden sind Zeichen einer Störung
des Erdelementes, ziehende Schmerzen sind Symptome einer
Störung des Holzelementes.
Besonders empfehlenswert ist die Akupunktur bei erst kurzfristig
aufgetretenen Beschwerden. Ein Fortschreiten der Erkrankung
kann damit meist verhindert werden.
Wichtig ist die richtige Ernährung!
Kälte ist für die Knochen und Weichteile sehr
ungünstig. Lassen Sie alles Kühle weg. Greifen
Sie nicht direkt in den Kühlschrank und steigen Sie
von den kühlenden Fruchtsäften auf wärmende
Tees um. Yogitees mit scharfen Gewürzen, eventuell
ein kleiner Schuss Rum dazu, bewegt Ihr Qi. Ein warmes Frühstück
aus Getreidebrei stärkt Ihr Bauch-Qi und somit das
gesamte Körper-Qi.
Die chinesischen Kräuter
können Sie in Granulatform oder als Auskochungen (Dekokte)
einnehmen. Manche Verschreibungen werden als Tee getrunken.
Meist schmecken diese aber recht grauslich und nicht, wie
man sich einen nach Blüten duftenden chinesischen Tee
vorstellt.
Auch Entspannungstechniken wie autogenes Training, Yoga,
besonders aber Qi
Gong und Tai Chi haben einen
hohen Stellenwert in der Therapie. Sehr beliebt ist das
Arbeiten mit Qi – auf Chinesisch Qi Gong. Die ansprechenden
Bewegungsmuster sehen wie ein langsamer Tanz aus. In China
sind die Parks voll mit Qi Gong-praktizierenden Menschen.
Gerade für den Weichteilrheumatismus sind die anmutigen,
langsamen Bewegungen sehr geeignet: Sie konzentrieren sich
auf den eigenen Körper und bewegen sich in einer Form,
die sowohl Muskeln und Sehnen als auch Knochen stärkt.
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