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In der Traditionellen Chinesischen Medizin ist die Niere die
Wurzel des Lebens. In ihr ruht die Urenergie – die Essenz.
Alles Leben entsteht aus der Niere. Hier wird die vorgeburtliche
Energie gespeichert, die wir von unseren Eltern mitbekommen
(Die nachgeburtliche Energie holen wir uns aus der Ernährung
und der Luft). Deshalb wird auf dieses Organ im gesamten asiatischen
Raum besonderer Wert gelegt und vorsichtig damit umgegangen.
Denn: Wenn wir die Wurzel eines Baumes zerstören, würde
der ganze Baum zugrunde gehen. Daher spielt die Nierenkräftigung
in ganz Asien und so auch in der Traditionellen Chinesischen
Medizin eine so große Rolle.
Die Niere ist sowohl für die Fortpflanzung als auch für
das Wachstum und die Reifung der Frucht verantwortlich. Außerdem
brauchen wir die Niere für unser geistiges Wachstum und
für die Entwicklung eines Menschen.
Im Laufe der Jahre verbraucht sich die Nierenenergie, und
wir werden alt, klein, schwerhörig, die Haare fallen
uns aus, die Knochen werden brüchig, die Zähne werden
durch ein falsches Gebiss ersetzt, der Harn tröpfelt
und ist nur mehr schwer zu halten.
Plötzlich macht uns alles Angst: Wir fürchten uns
vor Einbrechern, Unfällen, fahren mit dem Auto vorsichtiger
als früher. Angstbesetzte Fragen treten auf: Wie soll
sich das mit dem Geld ausgehen? Wie können die Kinder
einmal ohne meine Hilfe auskommen? Wer passt auf das Enkerl
auf? Zunehmend macht der Alltag Angst. Das kann so weit gehen,
dass sich alte Menschen in ihrer Wohnung einsperren, alles
fest verriegeln, das Geld verstecken und mit der Zeit immer
mehr vereinsamen. Für diesen Verlauf des Lebens ist die
Niere verantwortlich. Wenn man aber von Geburt an eine schwache
Niere von einem Elternteil geerbt hat, dann können solche
Symptome schon früher oder verstärkt auftreten.
Nierentypen sind eher klein gewachsen (nicht lang und hager
wie der Lungentyp
oder dicklich wie der Milztyp
oder stattlich und aufrecht wie der Lebertyp).
Der Knochenbau ist nicht sehr hart, die Gelenke sind nicht
robust. Schon in frühen Jahren neigt man zu Kreuzschmerzen,
Knieschmerzen, Meniskusproblemen. Die Glasknochenkrankheit
hat ihre Ursache in der Niere. Mit fortschreitendem Alter
wird das Knochen-QI immer schwächer und Nierentypen neigen
daher zu Osteoporose und Knochenbrüchen. Nierentypen
wirken auch etwas zerbrechlicher.
Wie der Name schon sagt, sind die Nieren und die Harnblase
anfällig für Erkrankungen. Häufiges „Aufs-Klo-Rennen“
und den Harn nicht halten können sind typisch. Kennen
Sie das? Gerade wollen Sie ein Restaurant verlassen und laufen
doch noch schnell zur Toilette, weil Sie es bis nach Hause
vielleicht nicht mehr aushalten. Auch Harnwegsinfekte, Nierensteine,
Nierenentzündungen, Blasenentzündungen sind Zeichen
einer schwachen Niere.
In der Jugend müssen gerade Menschen mit diesen Schwächen
auf ihre Nieren gut aufpassen und zum Beispiel beim Mopedfahren
immer einen Nierenschutz tragen.
Schlechtes Hören bzw. frühe Schwerhörigkeit
hat aus der Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin
mit den Nieren zu tun. Auch das Ohrensausen (=Tinnitus) ist
eine sehr unangenehme Erscheinung der Nieren. Ebenso sind
frühzeitiges Ergrauen der Haare oder Haarausfall Zeichen
einer schwachen Niere.
Sie merken, dass wir immer nur von Nierenschwäche sprechen,
denn es gibt keine Nierenfülle und keine zu starke Niere.
Die Chinesen sind immer nur bestrebt, die Niere zu kräftigen
– sie kann nie stark genug sein.
Waren Sie schon einmal in China oder haben Sie vielleicht
schon Bilder von Chinesen im Fernsehen oder in Büchern
gesehen? Ist Ihnen aufgefallen, dass Chinesen immer –
egal ob Sommer oder Winter – Socken oder Strümpfe
tragen? Warum? An der Fußsohle entspringt der Nierenmeridian
an die Körperoberfläche. Da es die Niere warm mag,
muss man sie immer anwärmen. Bei meinem letzten Chinaaufenthalt,
sind mir eigene Holzschlapfen aufgefallen, die in der Mitte
der Fußsohlen eine kleine Massagerolle haben, sodass
der Punkt Niere Eins (Ni 1) beim Gehen immer leicht stimuliert
wird. Nierentypen hassen den Winter. Sie lieben die Wärme.
Da sie leicht zu frieren beginnen und an kalten Füßen,
eventuell an kalten Händen leiden, tragen Nierentypen
auch bei uns gerne Socken: Dicke Schafwollsocken im Winter
oder Baumwollsockerl zum Schlafengehen.
Es gibt auch einen zweiten Nierentyp, dem nicht kalt ist und
der auch keine kalten Füße hat. Er fällt durch
seine Hektik und geringe Standfestigkeit auf.
Wie unterscheidet man die Hektik eines Lebertypen von der
Hektik eines Nieren-YIN-Typen? Es ist das entscheidungsfreudige,
resolute Auftreten, das dem Nierentypen fehlt.
Nierentypen sind ängstliche Menschen. „Das schaff’
ich nicht!“ – „Was soll ich machen?“
– „Was würdest du an meiner Stelle tun?“
– „Ich hab’ Angst!“ Das sind typische
Aussprüche, die Unsicherheit, Ängstlichkeit, Unentschlossenheit
und wenig Entscheidungskraft zeigen. Nierentypen tun sich
beim Entscheiden furchtbar schwer. Jeden Tag müssen wir
mehrmals kleine Entscheidungen treffen, für einen Nierentyp
ist das manchmal nicht so leicht. Bei größeren
Entscheidungen werden häufig andere zu Rate gezogen,
aber trotzdem dauert es relativ lang bis letztendlich klar
ist, was geschehen soll. (Da können dann die Lebertypen
gut aushelfen!)
Nierentypen sind aber gerade deshalb sehr anpassungsfähig.
Alles Neue macht ihnen Angst und kostet viel Überwindung.
Sie wechseln daher auch nicht gerne ihren Freundeskreis und
halten ihren Partnern die Treue. An ihrem Arbeitsplatz sind
sie langjährige, verlässliche Mitarbeiter. Man findet
sie aufgrund ihrer Beständigkeit in höheren Positionen,
aber nur ganz selten in leitenden Funktionen. Da müssten
sie zu viele Entscheidungen treffen und mit lauter Stimme
ihre Ideen gegen andere durchsetzten. Das liegt ihnen nicht.
Wie schon gesagt: Die Nieren mögen es warm. Beachten
Sie das auch bei Ihrer Ernährung!
Essen Sie nichts direkt aus dem Eiskasten, vermeiden Sie zu
viel Rohkost, Salate und rohes Obst. Eiskalte Getränke
kühlen schwache Nieren und bewirken ein Kältegefühl.
Im Sommer dürfen Sie natürlich auch etwas Kaltes
essen, aber wenn Sie auf einen Sitz eine Wassermelone oder
eine Schüssel Tzaziki essen oder ein großes Glas
Buttermilch trinken, werden Sie es wahrscheinlich in Form
von Abkühlung, Magenschmerzen oder viel hellem Urin spüren.
Roher Fisch wie Sushi und Sashimi sind kalte Nahrungsmittel.
Wenn Sie darauf nicht verzichten wollen, bestellen Sie sich
vorher eine wärmende Misosuppe.
Milchprodukte sind kühl und verschleimend. Wenn Sie zu
viel Eis oder Erdbeeren mit Rahm und Schlagobers essen, werden
Sie die Kälte im Verdauungstrakt in Form von Blähungen
und kaltem Bauch oder auch an den gewohnten Nierensymptomen
merken.
Was kann man tun, um die Niere zu wärmen? Besonders Nieren
wärmend sind Ginseng und Anis. Essen Sie Fleisch, etwa
Schinken oder Schweinefleisch, denn Fleisch ist erwärmend.
Deshalb nehmen wir im Winter verstärkt Fleisch zu uns,
wenn wir uns gegen die äußere Kälte schützen.
Alle gebratenen, gebackenen, geräucherten und frittierten
Speisen wärmen. Ein gebratener Fisch mit Reis und Karotten
ist eine hervorragende Mahlzeit, gekochtes Gemüse ist
bekömmlicher als Salat. Da die Niere immerfort gestärkt
werden soll, verwenden die Chinesen gerne Ginseng (erhältlich
in der Apotheke, man nimmt 100g pro Tag). Empfehlenswert ist
Ginseng-Tee zum Frühstück. Auch Ingwer ist wärmend
und kann am Morgen getrunken werden (3 Scheiben Ingwer mit
heißem Wasser aufbrühen). Da die Nieren auf Höhe
der Lendenwirbelsäule liegen und sich genau dort auch
der Schwachpunkt in Form von Kreuzschmerzen zeigt, ist ein
warmer Thermofor, auf das Kreuz gelegt, eine gute Nieren-stärkende
Sache.
Wärmen Sie vor allem im Winter Ihre Nieren mit einem
Thermofor und gönnen Sie sich warme Fußbäder.
Denn wie Sie bereits wissen, entspringen an den Füßen
die oberflächlichen Nierenmeridiane. Vergessen Sie also
deshalb nicht darauf, die Füße immer warm zu halten,
vor allem, |