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Stellen Sie sich eine gesellige Person vor, die bei einem
kühlen Bier mit Freunden in einem lauschigen Biergarten
sitzt und aus ihrem Leben erzählt. Milztypen neigen
zu einem rundlichen Aussehen und nehmen leicht zu. Für
Sport sind sie kaum zu begeistern.
In einem gesicherten Umfeld fühlt sich der Milztyp
wohl. Er hat es gerne geordnet, alles soll in geregelten
Bahnen verlaufen. Die kreative Unordentlichkeit eines Lebertypen
ist ihm ein Gräuel. Nur in einem gesicherten Umfeld
kann sich seine Beständigkeit und Kontinuität
entfalten. Milztypen sind treue und langjährige Mitarbeiter
und Freunde. Man kann sich auf sie verlassen. Die Vorstellung
einer Veränderung – sei es im Privatleben oder
im Beruf – bereitet ihnen Sorgen. Milztypen haben
oft Angst, falsch zu entscheiden. Sie wägen alle Möglichkeiten
ab bevor sie handeln. Spontaneität ist nicht ihre Stärke.
Dafür zeichnet sie Besonnenheit und Kalkül aus.
Sie berechnen, planen, analysieren und sorgen gut vor. Allerdings
dauern die Entscheidungen ihre Zeit. Milztypen sind besorgte
und fürsorgliche Eltern. Sie fühlen sich vor allem
in verwaltungstechnischen Berufen wohl. Gesunde Milztypen
stehen fest zu ihren einmal getroffenen Aussagen bzw. Plänen.
Sie können manchmal sogar richtiggehend stur sein.
Der innere Zwang, alles ausführlich überdenken
zu müssen, führt allerdings auch zu Zögerlichkeit
und Entscheidungsunfähigkeit. Zwanghafte Ordnungssucht
oder Waschsucht können für ihn und sein Umfeld
zu einer richtiggehenden Belastung werden. Während
wir bei den psychischen Störungen die cholerischen,
aggressiven Attacken mit dem Lebertyp verbinden, wird die
Gruppe der Neurosen der Milz zugeordnet.
Beim Milztyp schlägt sich alles auf den Magen. Er reagiert
auf belastende Situationen mit Rückzug, Groll und (oft
falsch verstandener) Melancholie. Während der Lebertyp
Probleme schnell überwindet, ist das Hinunterschlucken
und Verdauen von Problemen und Tiefschlägen für
den Milztyp nicht einfach. Zusammengefasst: Für den
Lebertyp ist jedes Problem eine Möglichkeit, für
den Milztyp jede Möglichkeit ein Problem.
In der chinesischen Medizin steht die Milz als Symbol für
den Verdauungstrakt. Sie ist verantwortlich für den
Transport und die Umwandlung von Flüssigkeiten und
Nahrungsmitteln.
Wenn unsere Milz gesund ist und richtig arbeitet, funktioniert
auch unsere Verdauung. Wir verwerten Nahrungsmittel gut,
haben regelmäßig Stuhl und fühlen uns fit.
Ist unsere Milz geschwächt, neigen wir zu hellem, weichem
Stuhl, schlechter Verdauung, Blähungen und Völlegefühl.
In schlimmen Fällen kann sogar eine chronische Gastritis
auftreten.
Wie holen wir uns Energie und Kraft?
Auf der einen Seite erhalten wir Energie über die Atmung
aus der Luft, andererseits dient die Sonne als Energiequelle,
und schließlich liefert uns die aufgenommene Nahrung
den Hauptanteil an Kraft und Energie.
Die Milz als Symbol für den Verdauungstrakt ist auch
die Hauptquelle von Qi (Kraft, Energie). Ohne vollwertige
Nahrung fühlen wir uns müde und abgespannt. Führen
wir uns nicht die richtige Nahrung zu, schwächen wir
unser Verdauungssystem. Besonders der Milztyp fühlt
sich dann energie- und kraftlos. Er kommt morgens nicht
aus dem Bett, kann sich am Vormittag nur schlecht konzentrieren
und fühlt sich zu Mittag schon wieder reif fürs
Bett.
Zu wenig Qi? Was tun? Wie können Sie sich stärken
und zu Kräften kommen, um Müdigkeit zu vermeiden?
Ein wichtiger Satz aus dem ältesten schriftlichen Werk
über Traditionelle Chinesische Medizin, dem Lehrbuch
des Gelben Kaisers aus dem Jahr 240 v. Chr., sagt: „Die
Milz mag es warm und trocken“. Trinken
und essen Sie als Milztyp nichts, was Sie direkt aus
dem Eiskasten nehmen. Lassen Sie Getränke vor dem Konsumieren
ein paar Minuten außerhalb des Kühlschranks stehen
oder geben Sie einen Schuss heißes Wasser dazu. Vermeiden
Sie vor allem kalte Nahrung und kalte Getränke in der
Früh und am Vormittag. Morgens müssen Sie Ihr
Qi erst mit Warmem aufbauen, um Ihre Kräfte voll zu
nützen. Vermeiden Sie Kaffee oder schwarzen Tee zum
Frühstück. Beide treiben zwar den Herzschlag an,
sind aber – wie alle Bittersubstanzen – durch
die Wirkung des Koffeins auf das Blutgefäßsystem
in ihrer Wirkung kühlend. Deswegen werden sie vor allem
in heißen Ländern angebaut und getrunken. Ingwertee
zum Frühstück hingegen wärmt, stärkt
und macht munter.
Schneiden Sie von einer Ingwerwurzel eine 3 mm dicke Scheibe
ab und gießen Sie kochendes Wasser darüber. Lassen
Sie diesen Tee 5 bis 8 Minuten ziehen, geben Sie je nach
Vorliebe etwas Honig oder braunen Zucker dazu und genießen
Sie Ihr morgendliches Tonikum. Man könnte fast sagen,
Ingwertee ist das Red Bull des Milztypen. Vermeiden Sie
zu viel Milch und Milchprodukte. Kaltes Müsli mit frischen
Früchten und Orangensaft sind etwas für Lebertypen.
Essen Sie lieber warmen Hirsebrei, Polenta, Grießkoch
oder Reisbrei mit getrockneten Früchten und etwas Honig.
Wärmen Sie sich einfach die Suppe vom Vortag auf. Ihre
Verdauungsprobleme und Ihre Morgenmüdigkeit werden
sich so rasch bessern.
„Die Milz mag es warm und trocken!“ –
Was mit warm gemeint ist, kann man sich vorstellen. Aber
was meinen die Chinesen mit „trocken“?
Vermeiden Sie cremige Saucen und Cremesuppen oder Spaghetti
Carbonara mit Creme fraîche. Auch die typisch österreichische
Einbrenn, eine Schwammerlsuppe und (leider) auch das Wiener
Gulasch und das Wiener Schnitzel sind für Milztypen
belastend und sorgen für so manches zusätzliche
Kilo. Essen Sie nicht zu viel Schweinefleisch und meiden
Sie vor allem blähende, gebackene Weizenprodukte (Brot,
Semmeln, Kuchen). Butter, Margarine, weißer Zucker
und Schokolade schaden den Milztypen besonders. Sehr gut
hingegen sind klare Rind- und Gemüsesuppen, auf der
Steinplatte gegrilltes Fleisch, Kartoffeln und Reisgerichte
oder ein mit Ingwer zubereitetes Huhn.
Achten Sie auf ausgewogene Mischkost. Geben Sie ihrem Verdauungssystem
von allem ein bisschen. Noch ein kleiner Tipp: Das Verdauungssystem
sagt besonders dem Milztyp ganz genau, wann es genug ist.
Hören Sie auf zu essen, wenn Sie satt sind. Trinken
Sie zum Essen Maishaartee – den bekommen Sie in der
Apotheke. Dann verlieren Sie sogar ohne zu hungern Ihren
Winterspeck.
Auch durch ein bisschen Sport
kann man die Qi- und Blutzirkulation anregen. Ich weiß,
dass es Milztypen gar nicht gefällt, Sport zu betreiben.
Überwinden Sie sich wenigstens einmal in der Woche,
spazieren zu gehen, Rad zu fahren oder zu joggen. Da Milztypen
gesellige Menschen sind, machen Sie Sport gemeinsam mit
einem Freund oder einer Freundin. Zu zweit macht es gleich
mehr Spaß. Oder versuchen Sie es in einem Club. Außerdem
besteht die Möglichkeit, nachher noch gemütlich
zusammen zu sitzen. Aber passen Sie auf! Zerstören
Sie nicht gleich wieder in einem Biergarten oder bei einem
Heurigen mit einem kühlen Getränk Ihr gerade in
Zirkulation gebrachtes Qi. Sonst war alle Anstrengung umsonst.
Oder Sie müssen nach dem Heurigen erst recht wieder
nach Hause joggen. Und wer will das schon?
Mit Akupunktur
und Kräutermedizin
kann man die Milz gut stärken und den Körper zur
Ausscheidung und damit zur Gewichtsabnahme anregen. Trotzdem
müssen Sie selbst immer etwas dazu tun.
Wenn Sie Beschwerden im Bereich der Muskeln haben, eine
Schwere in Armen und Beinen spüren oder unter schwachem
Bindegewebe leiden, ist Tuina, die chinesische Heilmassage,
ideal. Sie stärkt die Verdauungsfunktion, regt die
Durchblutung an, strafft das Bindegewebe und lindert das
muskelkaterähnliche Schweregefühl. Gehen Sie hinaus
und holen Sie sich Ihr Qi von der Sonne. Machen Sie sich
fit – für Müdigkeit ist kein Platz!
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