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Lungentypen sind oft hagere, schlanke, eher sehnige Menschen.
Aufgrund Ihrer Größe gehen sie manchmal etwas
gebückt. Die oft erworbene Kyphose der Brustwirbelsäule
oder besser gesagt der „Kummerbuckel“ macht
sie wieder etwas kleiner. Sie nützen ihren Körperbau
nicht, um damit zu wirken oder aufzufallen, denn sie stehen
prinzipiell nicht gerne im Rampenlicht. Wenn sie aber in
diese Position gedrängt werden, sind sie recht resolut.
Auch vom Lebertyp haben wir gehört, dass er hager sein
kann und oft drahtig wirkt. Der Unterschied zum Lungentyp
ist leicht erklärt: Der Lebertyp hat eher einen zu
hohen Muskeltonus und leidet unter Verspannungen, der Lungentyp
hingegen hat einen niedrigen Muskeltonus und wirkt schlaksig.
Der Lebertyp wirkt energetisch, dem Lungentyp fehlt diese
Eigenschaft völlig. Der Lebertyp neigt zur Fülle
(zum „Explodieren“), der Lungentyp hingegen
wirkt oft blass, schwach und anämisch.
In der chinesischen Medizin erklärt man sich das mit
einer der Hauptaufgaben der Lunge, nämlich der, die
Energie der Luft (QING QI) in den Körper zu bringen.
Kann die Lunge das nur unzureichend, dann zeigt sich im
Menschen schnell eine generelle Schwäche. Deswegen
machen die Chinesen auch bei den verschiedenen QI GONG-Techniken
Übungen, um die Atmung und die Lunge zu kräftigen.
Lungentypen sind oft sensible Menschen. Um das zu erläutern,
muss ich tiefer in die Traditionelle Chinesische Medizin
eintauchen: Zu jedem Organ gehört eine entsprechende
Gewebeschicht. Zur Lunge wird die Haut gerechnet. Kennen
Sie die Bedeutung, wenn man jemand als Mimose bezeichnet?
Nun – dies ist eine Eigenschaft des Lungentyps.
Die Lunge gerät nicht wie die Leber oder das Herz in
Fülle, sie neigt immer zur Schwäche oder zu Mangelzuständen.
Haben Sie ein schwaches Lungensystem, dann haben Sie auch
eine dünne Haut. Die Haut ist aber unsere erste Abwehrmauer
gegen äußere Einflüsse (auch die emotionalen
Ereignisse rund um uns zählen dazu). Unsere Haut steht
am meisten von allen Organen mit der Umwelt in Verbindung.
Ist es sonnig, reagieren wir mit Rötung, ist es kalt,
kriegen wir eine Gänsehaut, ist es windig, trocknet
die Haut leicht aus und wird rissig. Sie werden sicher schon
gehört haben: „Die Haut atmet“. Darin erkennt
man den Zusammenhang zwischen Lunge und Haut.
Lungentypen haben oft eine „dünne Haut“.
Ihnen fehlt der Panzer, der sie vor Umwelteinflüssen
und Naturprodukten wie Pollen, Hausstaub, Tierhaaren oder
Nahrungsmitteln schützt.
Hat jemand eine dünne Haut, treffen und berühren
ihn/sie auch private oder berufliche Ereignisse besonders
stark.
Eine „dünne Haut“ bezieht sich eben nicht
nur auf die Umwelt, sondern auch auf die Emotion und die
Psyche. Ohne dicke, feste äußere Hülle tut
man sich schwer, Probleme anderer von sich fern zu halten.
Leicht nimmt man alle Übel dieser Welt, alle Probleme
in sich auf. Menschen mit einer dicken Elefantenhaut, kann
nichts einschüchtern. Sie reagieren allerdings oft
zu spät und verhalten sich wie ein Elefant im Porzellanladen.
In der Traditionellen Chinesischen Medizin spricht man von
Pathogenen (krankheitsauslösenden Faktoren). Dazu zählt
der Wind. Menschen mit einer schwachen Lunge merken immer
als Erste, wenn es irgendwo zieht. Pathogene sind aber auch
zum Beispiel in Form von Pollen, Staub oder Nickel bekannt.
Diese Allergieauslöser wirken sich allerdings nicht
bei jedem von uns negativ aus. Warum reagieren manche Menschen
auf einen so genannten äußeren Faktor allergisch
und andere nicht? Die Chinesen führen das auf eine
geschwächte Funktion des Lungen-QI zurück. Allergiker
leiden oft gleichzeitig unter Husten und Hautbeschwerden
oder Schnupfen. Die Nase ist in der Traditionellen Chinesischen
Medizin der äußere Öffner der Lunge, daher
ist häufig bei Lungenerkrankungen auch die Nase betroffen.
Riechen wir schlecht oder tropft die Nase oder ist sie verstopft,
dann ist das ebenfalls ein Problem des Lungen-QI. Allergiker
oder Asthmatiker sind oft Lungentypen.
Häufig werde ich gefragt, ob es auch Mischtypen gibt.
Natürlich gibt es die, sogar sehr häufig. Auch
die Stimme wird von der Lunge beeinflusst. Eine raue, heisere
Stimme, wie die von Marlene Dietrich hätte ich natürlich
nicht behandelt. Wenn aber eine raue Stimme Probleme macht,
dann wird sie in der Akupunktur über den Lungenmeridian
und in der Chinesischen Ernährungslehre mit Lungen-
und Nieren-stärkenden Nahrungsmitteln behandelt. Jetzt
werden Sie sagen: „Na klar! Die raue Stimme kommt
vom Rauchen.“ Damit haben sie auch völlig Recht,
denn die Zigarette schädigt ja, wie wir wissen, auch
die Lunge.
Ist die Lunge in einem stabilen, starken Zustand, dann haben
Lungentypen einen einzigartigen Spürsinn, reagieren
sehr offen auf die Umwelt und haben einen guten Instinkt.
Sie haben einen so genannten „guten Riecher“.
Häufig ist auch die Nasenpartie besonders ausgeprägt.
Lungentypen sind häufig rothaarig. Dass Rothaarige
einen guten Spürsinn haben, schnell Zusammenhänge
erkennen, soziale Ungereimtheiten „riechen“,
wissen wir aus der Geschichte. Oft werden in alten Bildern
die Hexen mit roten Haaren dargestellt. Sie wussten viel,
kannten sich mit Krankheiten und Kräutern aus, konnten
die Zukunft lesen und wahrsagen. Sie hatten einfach ein
gutes Gespür. Lungentypen sind nicht nur wissbegierig,
sie sind auch gute Zuhörer und geben teuren Rat.
Berufe wie Künstler, Maler, Pantomimen sind typisch
für Lungentypen. Große Maler wie Picasso und
große Musiker wie Yehudi Menuhin waren Lungentypen.
Aber gleichzeitig ist auch die Pantomimenfigur des melancholischen
Pierrot mit der Träne im Gesicht ein Lungentyp. Der
Maler, der ihn zeichnet, könnte das auch sein. Die
Träne führt uns zur entsprechenden Emotion: Trauer
und Kummer plagen den Lungentypen. Wenn ungelöste Probleme
lange auf den Schultern lasten, drückt das auch auf
die Haltung, und im Lauf der Jahre kann sich daraus schon
der oben beschriebene Kummerbuckel entwickeln.
Noch einen kleinen Nachteil hat der Lungentyp: Er schätzt
sich selbst wohl am meisten. Dieser Narzissmus führt
oft zu übertriebener Hygiene und Eitelkeit. So mancher
Lungentyp meint nämlich, es drehe sich alles nur um
ihn. Deswegen reagieren Lungentypen oft sensibel auf Ereignisse,
die sie eigentlich gar nichts angehen. Sie lieben Zahlen
und führen gerne ihr Haushaltsbuch. Oft verzetteln
sie sich allerdings mit Kleinigkeiten, sodass sie den Blick
für das Ganze verlieren.
Was können Sie nun tun, um Ihre Lunge zu stärken?
Die Lunge mag es feucht und warm, heiße Nahrungsmittel
sind ihr unangenehm, die Trockenheit verabscheut sie.
Würzen Sie Ihre Speisen nur wenig mit scharfen Gewürzen.
Scharfes wirkt auf die Haut. Das spüren wir in Form
von Schwitzen. Wenn Sie zu viel Scharfes essen, schwächen
Sie ihre Lunge und schwitzen stark. Ein bisschen Knoblauch,
Lauch oder Ingwer hingegen stärken das Lungen-QI. Aber
seien Sie vorsichtig! Nicht zu viel des Guten, sonst verlieren
Sie über die geöffneten Poren Ihre Energie.
Auch Zimt, Nelken und Koriander wirken auf die Lunge. Yogi-Tee
ist eine zimthaltige Gewürzmischung aus der ayurvedischen
Medizin – wohl eines der besten Mittel, um die feuchte
Novemberkälte zu vertreiben.
Gewürze verwenden wir vor allem im Winter, um die Haut
gegenüber der Kälte zu stärken und um weniger
anfällig für Verkühlungen zu sein. Trinken
Sie im Herbst täglich einen warmen, milden Ingwertee.
Sie werden sehen, dass Sie weniger leicht eine Verkühlung,
die bis hin zur Grippe gehen könnte, erwischen werden.
Trinken Sie Pfefferminztee nur, wenn Sie Fieber haben. Pfefferminze
wirkt kühlend (Kaugummi!). Im kalten Herbst und Winter
hilft sie aber der Kälte, in den Körper einzudringen.
Essen
Sie vor allem gekochte Nahrung. Keine Rohkost, sondern gekochtes
Gemüse tut Ihnen gut. Spinat wirkt kühlend auf
die Lunge und ist daher besonders gut für Raucher,
Allergiker und gegen Hautausschläge. Auch Karotten,
Sojabohnen und Tofu harmonisieren die Lunge.
Haben Sie typische Lungensymptome wie Husten, chronische
Bronchitis oder Asthma, essen Sie weiße Senfsamen,
Marillenkerne, Ginkosamen, Erdnüsse, Bambussprossen,
Braun- und Rottang. All das bekommen Sie in einer Apotheke,
die mit chinesischen Kräutern
arbeitet.
Gekochtes Getreide, ob Hirse, Buchweizen, Hafer, Reis, Maismehl
(Polenta) verträgt der Körper besser als Brot,
wenn er aus dem Gleichgewicht ist. Essen Sie nichts zu Trockenes.
Befeuchten Sie ihre Lunge und trinken Sie viel Flüssigkeit.
Birnen sind gute Befeuchter der Lunge. Ein Birnenkompott
(mit Nelken) hilft, die Trockenheit beheizter Räume
auszugleichen.
Lungentypen haben eine sensible Haut. Daher sollten sie
Sonnencremen mit hohem Sonnenschutzfaktor verwenden und
die Haut leicht feucht und geschützt halten.
Während der Heizperiode, der Zeit der trockenen Luft
in den Räumen, sollten Sie nicht vergessen, dass es
die Lunge gern feucht mag. Verwenden Sie regelmäßig
Körperlotion und stellen Sie Wasserschalen zum Befeuchten
auf!
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