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In der chinesischen Medizin ist die Leber der Motor des
ganzen Körpers und hilft, das Qi, die Lebensenergie,
frei zirkulieren zu lassen. Die Leber ist ein sehr eifriges
Organ und stellt die treibende Kraft für alle Aktivitäten
dar.
Lebertypen gehen daher mit viel Tatendrang an eine Sache
heran, sind emsig, energisch und stets voll neuer Ideen,
die sofort lautstark, mit ausgeprägter Mimik und großer
Gestik dem Nächsten mitgeteilt werden. Es bleibt aber
nicht bei Ideen und Phantasien, alles muss auf der Stelle
umgesetzt werden. Entscheidungen sind schnell getroffen,
das Nötige wird organisiert, und kaum ist eine Sache
beschlossen, schon ist sie durchgeführt. Spontaneität
gehört zum Lebertyp wie die Sonne zum Tag. Leider sind
Lebertypen oft recht sprunghaft, können sich aber auch
in irgendein unwichtiges Detail richtiggehend verbeißen.
Laut TCM sitzt in der Leber die körperliche Seele HUN,
sie trägt die „ewige Erinnerung“, daher
können Lebertypen auch ganz schön nachtragend
sein. Oft tun sie sich schwer, andere Meinungen gelten zu
lassen. Noch schwerer fällt ihnen das Verzeihen. Das
Resultat von Enttäuschungen ist dann übersteigertes
Misstrauen, Grant, Griesgrämigkeit und Frustration.
Einen Lebertypen hört man selten sagen: „Tut
mir leid, das hab’ ich falsch gemacht“. Langatmige
Entschuldigungen und Schuldeingeständnisse sind irgendwie
nicht so ganz seine Sache.
Grenzen hassen sie. Regeln und Anweisungen anderer beengen
sie und sind ihnen zuwider. Andere Meinungen irritieren
sie. Sie arbeiten daher am liebsten selbständig ohne
einen direkten Vorgesetzten. Sie sind am liebsten „ihr
eigener Chef“. Sie trauen sich viel zu, bauen gerne
Dinge auf und lieben es, ihre eigenen Ideen und somit ihre
eigenen Produkte wachsen und sprießen zu sehen. Sie
haben kein Problem, mit oder vor anderen Menschen zu sprechen,
sich in die erste Reihe zu stellen und ihre Meinung jedem
zu präsentieren. Ein Lebertyp ist ein gern gesehener
Gast und Garant für gute Stimmung.
Lebertypen neigen aber auch besonders leicht dazu, sich
über etwas zu ärgern. Sie sind davon überzeugt,
alles am besten zu können und zu wissen. Gepaart mit
der Fähigkeit, sich auch noch nach Jahren an alle möglichen
Details eines Vorfalls zu erinnern, haben sie zum Leid der
anderen oft auch noch Recht. Trotz allem ist sich ein Lebertyp
nie gut genug! Sein Ehrgeiz ist sprichwörtlich.
Was ist nun die Ursache, wenn einem im Rahmen einer Diskussion
heiß wird? Oder wenn`s „einem hochkommt“?
Was ist die Ursache, wenn einem „eine Laus über
die Leber läuft“, wenn man vor lauter Ärger,
Zorn und Wut aus der Haut fahren könnte?
Wenn Belastungen, Stress, Überarbeitung und schlechte
Ernährung überhand nehmen, kann die Leber den
harmonischen Qi-Fluss im Körper nicht mehr gewährleisten.
Daher steigt die Energie zu stark auf und erzeugt Hitze.
Hitze kann sehr unangenehm sein. Wenn sie zu stark und daher
krankhaft wird, kann sie sich in Form von migräneartig
ziehenden Kopfschmerzen im Nacken, an den Schläfen
und um das Auge äußern. Auch brennende, trockene
oder gerötete Augen zählen zu den Hitzestörungen.
Der Partner der Leber ist die Galle. Wie oft sagen wir:
„Mir geht die Galle über“, wenn wir uns
ärgern? Ziehende Schmerzen im Bereich der Galle, also
unter dem rechten Rippenbogen, gehören zu möglichen
Symptomen. Wenn man Ärger und Frustration in sich „hineinfrisst“,
können Magenschmerzen oder Sodbrennen die Folge sein.
Auch Verstopfung kann Lebertypen zu schaffen machen.
Fällt Ihnen unter diesen Symptomen etwas auf?
Sie brennen alle oder sind das Resultat von Hitze.
Was sind die Auswirkungen auf den Körper, wenn diese
innere Hitze viele Jahre besteht?
Im Alter neigen diese Menschen zu Schlaganfall, Herzrasen,
Herzinfarkt und hohem Blutdruck. Chronische Verstopfung
und Missbrauch von stuhlfördernden Medikamenten stehen
oft an der Tagesordnung. Oft leiden Lebertypen im Alter
unter Einschlafstörungen, werden in der Nacht zwischen
ein und drei Uhr wach und reagieren empfindlich auf Zugluft.
Und was kann mit der Psyche passieren? Lebertypen können
neben grantig, missmutig und griesgrämig auch richtiggehend
depressiv werden.
Was können Sie also tun, um sich im Lot zu halten,
sich nicht zu viel zu ärgern, keine Magenschmerzen
zu bekommen und gut durchzuschlafen?
In der TCM spielt die Ernährung eine wichtige Rolle.
Daher: Lassen Sie alle erhitzenden Nahrungsmittel weg.
Hierzu zählen alle frittierten, gebackenen und gebratenen
Speisen, aber auch alle scharfen Gewürze wie Muskat,
Pfeffer, Chili oder Paprika. Vor allem abends sollten Sie
sich eher kühlend ernähren. Vorsicht! Kühlend
heißt nicht kalt! Fisch oder Meeresfrüchte (außer
Shrimps und Krabben) mit Reis und Gemüse tun Ihnen
sehr gut. Auch Suppen mit jeder Art von Einlage kühlen
aufgrund der großen Flüssigkeitsmenge Ihr inneres
Feuer. Reis- und Kartoffelprodukte sind für Sie besser
als Brot und Gebäck. Essen Sie ruhig Salate, aber verwenden
Sie nicht zu viel Essig. Sauer macht lustig. Sauer macht
eben leider auch sauer, und da wären wir schon wieder
beim Ärger, den wir doch zähmen wollen. Um Ihr
„heißes Blut“ zu kühlen, helfen Ihnen
besonders Bittersalate (Rucola, Lollo Rosso, Endivien- und
Vogerlsalat etc.), aber auch Karotten und Nachtschattengewächse
wie Tomaten oder Melanzani. Trinken Sie einen Magenbitter
wie Amaro oder Cynar vor dem Essen oder besorgen Sie sich
Artischockenextrakt als Tropfen in der Apotheke, um die
Hitze in Ihrem Magen zu löschen. Vermeiden Sie zu stark
aktivierende Getränke wie Kaffee oder schwarzen Tee.
Trinken Sie stattdessen lieber Apfelsaft, grünen Tee,
Jasmintee, Melissentee oder Chrysanthemenblütentee.
Gönnen Sie sich ruhig ein kühles Bier. Auch Milchprodukte
wie Yoghurt, Kefir, Sauerrahm oder Leichtkäse wirken
kühlend. Im Sommer kühlt auch ein weißer
G`spritzer, wenn Sie nicht zu viel davon erwischen. Wenn
Sie das überhitzte Verdauungssystem entlasten wollen,
um z. B. fit in den Frühling zu starten, machen Sie
eine fünftägige Brennnesseltee-Kur.
Was können Sie aber tun, wenn plötzliche Kopfschmerzen
oder Nackenverspannungen einsetzen? Mit Akupunktur kann
man jegliche Form der Hitze gut reduzieren. Häufig
hilft schon eine Sitzung, um das Schlimmste abzuwenden.
Aber Sie können an einigen der Hauptpunkte auch selbst
Akupressur anwenden. Mit dem Punkt Leber 3 (Le 3) lösen
Sie die innere Hitze. Dieser Punkt befindet sich zwischen
den Mittelfußknochen der ersten und zweiten Zehe ungefähr
zwei Querfinger hinter dem „Schwimmhäutchen“.
Probieren Sie ihn gleich aus. Sie finden ihn bestimmt. Er
tut weh, wenn Sie hineindrücken. Diesen Punkt massieren
Sie sich kräftig, um Schmerzen zu lindern. Er hilft
aber auch, wenn Sie sich einmal allgemein verspannt und
müde fühlen. Ein weiterer hilfreicher Punkt ist
Galle 20 (Gb 20). Er liegt im Nacken direkt unter dem Schädelknochen
in einer seitlichen Mulde. Häufig greift man dort automatisch
bei Nackenverspannungen hin.
Lebertypen müssen ständig in Bewegung sein und
sind meist sehr sportlich. Oft jedoch gehen sie von der
Aktivitätsphase (Arbeit) direkt in die Ruhephase (Fernseher).
Dies führt zu einem Festfahren des „Motors“.
Am nächsten Morgen sieht der Lebertyp das Resultat:
Der eigene „Motor“ weigert sich bis in den Vormittag
hinein zu starten, und man fühlt sich müde und
abgespannt. Dagegen tut Ihnen leichte Bewegung am Abend
gut. Sie hilft, Hitze los zu werden und ein Festfahren zu
vermeiden. Wenn Sie am Abend noch eine Runde spazieren gehen,
kühlen Sie sich etwas herunter und können dann
gut schlafen. So starten Sie mit frischer Kraft und munter
nach dem Aufwachen in den nächsten Tag.
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