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In einer der letzten Ausgaben habe ich die einzelnen Typen
der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) vorgestellt.
Konnten Sie sich eindeutig finden oder haben Sie festgestellt,
dass Sie ein Mischtyp sind?
Nach dem impulsiven Lebertyp und dem beständigen Milztyp
setze ich meine Serie mit dem grundsätzlich positiv
eingestellten Herztyp fort.
Wie sieht ein Herztyp aus?
Herztypen sind, wie der Name schon sagt, sehr herzliche
Mitmenschen. Sie haben ein offenes Herz, sind hilfsbereit,
freundlich und grundsätzlich positiv eingestellt. Immer
haben sie einen aufmunternden Witz oder ein hilfreiches
Lächeln bereit. Sie reden gerne und haben stets viel
zu erzählen. Egal, ob Tratsch über die Familie
oder über Freunde, über den Hund, die Katze, den
letzten Besuch bei der Tante, das gestrige gute Essen –
manchmal muss man sie in ihrem Redefluss geradezu gewaltsam
bremsen, sonst kommt man bei einem Herztyp nicht zu Wort.
Wenn ein Herztyp in die Ordination kommt, wird das Anfangsgespräch
recht ausführlich. Häufig werden die wichtigen
Fragen schon beantwortet bevor der Therapeut dazu gekommen
ist, sie zu stellen.
Da Herztypen ein großes Herz haben, kann man bei ihnen
auch sehr gut sein Herz ausschütten. Dafür sind
sie sehr empfänglich. Sie haben allerdings meist Schwierigkeiten,
lange hinzuhören. Immer wissen sie eine dazu passende
eigene Geschichte zu erzählen. Herztypen tragen im
wahrsten Sinne des Wortes ihr Herz auf der Zunge. Häufig
findet man sie in Berufen, wo sie ihr Mitteilungsgefühl
auch gut ausleben können. Der klassische Wirt und die
Wirtin sind kongeniale Berufe für Herztypen. Durch
das Plaudern und Scherzen mit den Gästen und Empfehlen
von diversen Köstlichkeiten wird die Wirtsstube gut
besucht sein und gute Stimmung ist garantiert. Aber nicht
nur im Gastgewerbe sind Herztypen gut aufgehoben. Ebenso
sind sie als Politiker, Verkäufer, Vertreter, Versicherungsmakler
und Showmaster sehr erfolgreich. Aber auch in geistlichen
Berufen können sie sich wohl fühlen. Die Predigten
von Priestern wie Abraham a Sancta Clara überdauern
mit ihrem versteckten Witz und dem positiven Grundtenor
bis in unsere Zeit.
So wie zum Lebertyp der Zorn, zum Milztyp die Sorge gehört,
hat auch der Herztyp eine Emotion, die ihm zugeordnet wird:
Es ist die Freude. Herztypen sind im Regelfall sehr fröhliche
und lustige Menschen. Sie lachen gerne, plaudern, freuen
sich des Lebens und sind meist wirklich guter Laune. Sie
können manchmal so richtig die Welt umarmen. Vor kurzem
habe ich eine Patientin gefragt, wie sie auf Stress reagiert.
Lächelnd sagte sie mir: „Mit Freude und Heiterkeit“.
Diese Freude zeigt sich auch in den roten Wangen, die man
bei Herztypen häufig sieht. Wenn dieses Herzfeuer,
wie die Chinesen es bezeichnen, zu stark wird und die Gedanken
verbrennt, kann sich die Freude in eine richtige Manie umwandeln
und wird so zu einer Krankheit.
Ein großes Problem für den Herztyp können
seine emotionalen Schwankungen sein. Der Herztyp reagiert
bei Belastung oft „himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt“.
Im Herzen sitzt in der Traditionellen Chinesischen Medizin
(TCM) der Geist (SHEN). Herztypen sind daher auch oft „geistvoll“.
Im Alter kann es allerdings durch das lebenslang belastete
„feurige“ Herz dazu kommen, dass der Geist (SHEN)
und damit die Gedanken verbraucht sind: Bei Herztypen kommt
es im Alter oft zu Demenz und Gedächtnisschwäche.
Herztypen leiden wie Lebertypen an Hitzeerscheinungen. Dem
Herzen wird die Farbe rot und das Element Feuer zugeordnet.
Bei manchen zeigt sich diese Hitze in Form von warmen Händen
und Füßen oder in schnellem, lautem Reden, bei
anderen schwappt die Hitze auch in unangenehme Beschwerden
über: Sie leiden an Hitzegefühl, Frauen an Hitzewallungen,
rotem Dekollete, rotem Gesicht, Brennen an den Fuß-
und Handsohlen. Vor allem zeigt sich die Hitze in der Nacht
– Herztypen schwitzen leicht.
Wenn diese Hitzesymptome noch stärker werden, können
sie bis in den Kopf steigen und zu Kopfschmerzen und Migräne
führen. Herztypen neigen auch zu Herzkrankheiten wie
Herzklopfen, Rhythmusstörungen, Herzschmerzen oder
Druck über dem Herzen. Auch der Blutdruck ist oft erhöht.
Schwindel und Schlaganfall, aber auch Ohrgeräusche
(Tinnitus) können vorkommen.
Typisch für weibliche Herztypen ist die schwellende
Brust. Herzfrauen haben häufig eine große Oberweite
und neigen zum Zunehmen. Als klassischer weiblicher Herztyp
gilt hier die italienische Mamma, die mit offenen Armen
ihre Kinder an die Brust drückt. Herzmänner haben
oft einen untersetzten Körperbau und neigen zu einem
Kugelbauch. Erinnern Sie sich nur an den vorher erwähnten
redseligen, gutmütigen Wirt.
Jetzt werden Sie sagen: „Aber was ist der Unterschied
zwischen der Hitzesymptomatik eines Lebertyps und der eines
Herztyps?“
Dominierende Freude und Lächeln statt Zorn und Anspannung,
der dickliche und nicht der hagere Körperbau machen
die Unterscheidung nicht schwer.
Nun fehlt noch ein ganz wichtiger Unterschied: Es ist die
Entscheidungsfreudigkeit. Herztypen haben zwar einen regen
Geist und viele Ideen, aber tun sich – im Gegensatz
zum entscheidungsfreudigen Lebertyp – schwer im Umsetzen
ihrer Ideen. Im Herzen ruht der Geist – SHEN. Wenn
das Herz in Ruhe ist, ist es phantasievoll. Kommt das Herzblut
in Wallung, geraten Herz und Geist aus dem Gleichgewicht.
Das bringt die Gefühle – und damit auch den Durchsetzungswillen
– ins Wanken.
Was können Sie dagegen tun?
Wie behalten Sie ein ruhiges Herz und einen kühlen
Kopf?
Vermeiden Sie erhitzende Nahrungsmittel. Essen Sie vor allem
ab dem Nachmittag und am Abend Kühlendes. Bittere Salate
wie Lollo Rosso oder Rucola tun ihnen besonders im Sommer
gut. Essen Sie italienisch: Mozarella mit Pomodoro, gewürzt
mit Basilikumblättern lässt im Sommer nicht nur
jedem Herztyp das Wasser im Mund zusammenlaufen. Eine Brennnesseltee-Kur
im Frühjahr hilft, die innere Hitze zu vertreiben.
Besonders empfehlenswert sind Nachtschattengewächse
(Tomaten, Melanzani, Kartoffeln) aber auch Zucchini, Gurken
und Reis in jeder Variation. Oft leiden Herztypen durch
zu stark wärmendes Essen unter saurem Aufstoßen
und chronischen Magenbeschwerden. Buchweizen oder Gerstenbrei
helfen dagegen. Müsli am Morgen vertreibt beim Herztyp
Kummer und Sorgen.
Artischocken stärken das YIN des Herzens. Gekochte
Artischockenböden sind für Herztypen das Krafttonikum
schlechthin. Das Herz wird ruhiger und schlägt wieder
kräftiger. Artischockenextrakt gibt es auch als homöopathische
Tropfen und als verdauungsförderndes Digestivum zu
kaufen.
Das liebste Getränk der Herztypen ist ein Pils. Aber
Achtung! Der Bauch des Herztyps wächst direkt proportional
zur konsumierten Biermenge. Ein kühlender Pu Erh Tee
oder ein brasilianischer Mate (zubereitet mit Zitronensaft
ohne Zucker) haben eine viel bessere Wirkung. Genauso kühlend
wirkt im Sommer ein kleiner, starker Espresso, aber auch
der ohne Zucker!
Apropos Zucker…
Raffinierter weißer Zucker ist ein purer Energielieferant.
Energie hat der Herztyp aber oft im Übermaß.
Daher will zuckerhaltige Nahrung mit Vorsicht genossen sein.
Ganz schlimm wirken sich scharfe Gewürze (Curry, Chili,
Pfeffer) und gebratene sowie gegrillte Nahrungsmittel auf
Herztypen aus. Gerade noch im Rahmen ist gegrillter Fisch.
Besonders schlecht sind für Herztypen Lammfleisch,
Schaf und Ziege. Auch das berühmte „Backhenderl“
verträgt er nicht besonders gut.
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